“Der Alte / Neue”

 

Wenn ein Funkfreund, wie in unserem Fall Rainer Manger, DK4FQ † von uns geht, ist das in der Regel ein trauriger Anlass. In diesem Fall war es aber auch mit einer positiven Nachricht verbunden. Wir bekamen einen HF-Verstärker vom Typ Heathkit SB-220 aus seinem Vermächtnis für den Ortsverband. Der SB-220 HF-Verstärker mit zwei kompakten Eimac Sende-Trioden vom Typ 3-500Z, war ein Verstärker der einen bemerkenswerten Eindruck in der Welt der Amateurfunker hinterließ. Er war der Erste preiswerte HF-Verstärkerbausatz für SSB und CW. Leider wird er heute nicht mehr hergestellt.

Der SB-220 hat ausgezeichnete Designeigenschaften. Man sagt ihm aber aber auch ein paar Schwächen nach. Wer will, kann sie leicht korrigieren. Ob dies zwingend ist hängt sicher auch stark von den Parametern (Grenzwerten) ab, die man ihm abverlangt. An dieser Stelle sei auf das Datenblatt von der Firma Eimac hingewiesen. Sollte ein Defekt in einer Baugruppe auftreten für die es eine Modifikation gibt, macht es sicherlich Sinn das Gerät gleich zu modifizieren.
Unser Exemplar stammt nachweislich aus dem Jahr 1970. Er ist nicht modifiziert und in optisch einwandfreien Zustand. Wann er allerdings das letzte Mal in Betrieb war, ist uns nicht bekannt. Wie gehen wir also bei der Analyse des genauen Gerätezustandes vor?

Zuvor aber noch zwei Hinweise.
Es geht um unsere Sicherheit.
Sollte jemand so ein HF-Verstärker Chassis öffnen, bitte zuerst immer die Netzspannung entfernen.

Es besteht Lebensgefahr!

Genauso wichtig zu wissen!
Dieser Verstärker hat eine elektrische Verriegelung (Interlockschalter) mit dem Chassis. Wird die obere perforierte Abdeckung entfernt schließt die Verriegelung die Hochspannung zum Chassis kurz. Die Anodenspannung liegt an Masse. Es ist daher ratsam zu warten, bis das Voltmeter am Frontplatte fast 0V anzeigt, bevor man die Abdeckung abnimmt.
Wer irgendwelche Änderungen am SB-220 vornehmen will, sollte zuerst die zwei 3-500Z aus den Röhrensockeln nehmen. Nur mit einem sauberen Tuch anfassen, um kein Fett von den Finger und/oder andere Verunreinigungen auf dem Glaskolben aufzubringen. Jede Röhre sollte bis zum Wiedereinbau sicher aufbewahrt werden.

Nun zu unserem Geräte-Check
Der Prüfablauf folgt den Begriffen:

  • Problem erkennen, bewerten und reparieren.

Am Anfang stand die Sichtprüfung
Das Gerät wurde auf mechanische Beschädigung (Kratzer, Risse), Schmutzablagerungen, Kontaktfehler, Einbrandkerben und Farbänderungen usw. hin überprüft. Es waren lediglich Reinigungsarbeiten im Chassis und am Lüfterrad notwendig. Zusätzlich haben die Lager des  Lüftermotors einen Tropfen harzfreies Öl bekommen. Das Gerät war für sein Alter äußerlich in einem sehr guten Zustand.

Der zweite Schritt war eine Funktionsprüfung
Die Idee ist, mit einem Regeltrafo die Netz-Spannung des SB-220 langsam in verschiedenen Schritten hochzufahren. Beim ersten Wiedereinschalten (nach langer Zeit) nur bis etwa 40V. Allerdings nur für einen kurzen Zeitraum, dann direkt wieder herunter fahren. Je nach Alter, sollte dieser Vorgang einige Male wiederholt werden. Man gibt so den alten Elkos die Gelegenheit, ihre Oxidschicht wieder aufzubauen.
Wenn man zuvor noch eine Glühbirne (Kaltleiter) mit ca. 25W in die Netzleitung – Phase – eingeschleift hat, ist der Strom auch noch begrenzt. So kann man eine mögliche „Rauchentwickllung“ frühzeitig erkennen und die Reißleine ziehen.

Das Netzteil mit seiner Spannungsversorgung – Anoden-, Heiz- und Hilfsspannung – entsprach den Parametern, wie im Heathkit Manual beschrieben. Apropo Schaltplan: Hier mal ein Exemplar, dass man auch benutzen – lesen kann:

Download “Heathkit-Schaltplan” Heathkit-Schaltplan.pdf – 20-mal heruntergeladen – 2 MB

Beide Senderöhren zeigten sich in gleicher Farbthemperatur und Helligkeit. Auch die Heizfäden leuchteten beim Auschalten noch kurz nach. Unser HF-Verstärker ließ alle Tests gutmütig über sich ergehen und machte keine “zicken”.
Also, mit angepasster Leistung am Eingang versorgen und das Gerät sowie die Instrumente beobachten. Da er ohne zu “murren” alle weiteren Teste mitmachte, soll an dieser Stelle dem Ganzen ein Ende gesetzt werden. Wir können an dieser Stelle nur noch einmal unserer Freude Ausdruck verleihen, dass uns unser verstorbener Funkfreud Rainer Manger, DK4FQ† uns diese tolle Gerät überlassen hat.